Marc Reitmaier im großen Interview bei fanreport.com

Unser neuer Spielertrainer über sich, den Fußball und einen Maiabend in London....

In der Jugend spielte er für den VfL Wolfsburg, sein Heimatklub sind die Würzburger Kickers und heute ist der 30-jährige Spielertrainer beim TSV/DJK Wiesentheid.

 

Seine Karriere begann Reitmaier in der Jugend der Würzburger Kickers. Dort wo auch sein Onkel, die Torwartlegende Claus Reitmaier, einst anfing. Sein Vater, Gerd Reitmaier, ist sogar Ehrenspielführer der Würzburger  Kickers. Über den Würzburger FV wechselte er in die U19 des VfL Wolfsburg. Nach seiner Zeit beim badischen Oberligisten  FV Lauda, wechselte er 2004 zum Würzburger FV. Weitere Bayernliga Stationen wie Ismaning oder Fürstenfeldbruck folgten, ehe er sich im Winter 2009 dem FC Schweinfurt 05 anschloss. Nach anderthalb Jahren verließ er die „Schnüdel“ und ging zurück zu seinem Heimatverein, den Kickers. 
Während eines Trainings verletzte ihn ein Mitspieler so schwer, dass er auch nach einem Jahr Pause immer wieder mit weiteren Verletzungen zu kämpfen hatte. In der vergangenen Spielzeit kam er auf einen Regionalligaeinsatz von Beginn an für die Rothosen und startet jetzt  seine Trainerlaufbahn  in der neuen Saison als Spielertrainer beim TSV/DJK Wiesentheid in der Bezirksliga-Ost.
 
Fanreport Redakteur Dennis Dudek sprach ausführlich mit dem sympathischen neuen Spielertrainer, unteranderem über seine Karriere, die Ziele in Wiesentheid und seinen persönlich erreichten Hattrick.
"Wolfsburg war eine tolle Erfahrung"

fanreport.com: Du hast in den Jugendmannschaften der beiden Würzburger Vereine Kickers und WFV gespielt, dann bist du zur VfL Wolfsburg U19 gewechselt. Wie hat sich das ergeben?
Marc Reitmaier: Ich war damals Bayern-Auswahlspieler, dadurch hat man immer das Augenmerk der Bundesligavereine. Bei den Wölfen hat zudem  mein Onkel Claus zu dieser Zeit in der Bundesliga gespielt und deshalb habe ich mich für die Junioren Bundesliga in Wolfsburg entschieden.
 
fanreport.com: Wie fandest du die Zeit in Wolfsburg?
Reitmaier: Es war natürlich eine tolle Sache, zu der Zeit hat es zwar noch nicht die Internate gegeben wie heute, wir haben damals noch in WGs gewohnt. Ich habe vielleicht 100m vom Bundesliga Stadion entfernt gewohnt und als Jugendspieler konnte man auch öfters beim Training der Profis teilnehmen. Das war schon eine tolle Erfahrung, die ich dort gemacht habe.
 
fanreport.com: Wieso hat es nach deiner Zeit bei den Junioren nicht für die Profimannschaft gereicht? 
Reitmaier: Den Sprung in die Profimannschaft direkt hat danach nur ein Spieler geschafft. Das Anforderungsprofil in diesem Bereich ist extrem.  Mir selbst hat der Verein ein Angebot für die 2. Mannschaft gemacht, in der damaligen Regionalliga. Allerdings habe ich mich in meinem Jahr bei der VfL-Jugend voll auf den Fußball konzentriert, deshalb wollte ich danach meine Schule weitermachen. Das Fachabitur konnte ich in Niedersachsen nicht machen, aus diesem Grund  bin ich wieder in die Heimat zurück gekehrt.
 
fanreport.com: Deine nächste Station war der nordbadische Oberligist FV Lauda, wieso bist du dorthin gegangen? 
Reitmaier:  Es war mir möglich, in Würzburg wohnen zu bleiben und immer nach Lauda zu fahren. Lauda war damals eine gute Adresse und die  Oberliga Baden-Württemberg war sehr attraktiv mit Mannschaften wie Sandhausen, SSV Ulm oder Waldhof Mannheim. 
 
fanreport.com: Danach ging es für dich wieder zurück zum Würzburger FV, wie lief es dort sportlich für dich?
Reitmaier: Gleich in meinem ersten Jahr dort, sind wir von der Landesliga in die Bayernliga aufgestiegen und hatten eine sehr gute Mannschaft zusammen. Im darauffolgenden Jahr sind wir als Aufsteiger sogar bis auf Platz 3 der Bayernliga marschiert. Die zwei Jahre beim WFV waren wirklich eine sportlich sehr erfolgreiche Zeit. 
 
fanreport.com: Anschließend bist du zum Rivalen des WFV, den Würzburger Kickers gewechselt. Wie war das für dich?
Reitmaier: Die Kickers sind ja mein Heimatverein, dort habe ich schon ab der D-Jugend über  6 Jahre gespielt . Dazu kommt noch, dass die ganze Reitmaier Familie natürlich durch und durch Kickers-rot ist. Zu den Kickers habe ich mich immer sehr verbunden gefühlt, deshalb ist das Kickers-Trikot auch was ganz besonderes für mich.
 
fanreport.com: Du hast in deiner Zeit bei vielen Vereinen gespielt, wo hat es dir am besten gefallen?
Reitmaier: Da nenne ich auf jeden Fall die Würzburger Kickers, da es mein Heimatverein ist und weil es für mich eben ein ganz besonderer Verein ist. Ich werde mich dort in der kommenden Zeit auch sicherlich des Öfteren blicken lassen, da ich dort viele Freunde gewonnen habe und ich mich am Kickersplatz sehr wohl fühle.
Sportlich würde ich die Jahre beim Würzburger FV als meine beste Zeit sehen. Zu dem Zeitpunkt sind wir Dritter in der Bayernliga geworden, da ist es von der Leistung her und wie ich selber drauf war super gelaufen. Aber auch in Ismaning war es eine starke Bayernliga Saison. Wenn du keine Verletzungen hast und nicht immer wieder zurückgeworfen wirst, kannst du auch gute Leistungen bringen, dies sieht man dann auch an meinen Einsätzen in den zwei genannten Saisons.
 
fanreport.com: Du hast sportlich einen ganz besonderen Hattrick geschafft, kannst du diese Geschichte noch einmal erzählen?
Reitmaier: Ja, also ich bin mit je drei verschiedenen Vereinen aufgestiegen. Mit dem Würzburger FV bin ich 2005 in die Bayernliga aufgestiegen, dann gab es mit dem FC Schweinfurt 2010 den Bayernliga-Aufstieg und mit den Kickers bin ich 2012 in die Regionalliga aufgestiegen. Wäre es in drei Jahren hintereinander gewesen, wäre es sogar ein lupenreiner gewesen (lacht).
 
Neuer Spielertrainer in Wiesentheid 
 
fanreport.com: Jetzt folgt der Wechsel zum Bezirksligist nach Wiesentheid, was bedeutet diese Station auf deinem Karriereweg?
Reitmaier: Es ist mein Einstieg als Trainer, ich habe mich darauf auch schon ein bisschen vorbereitet, habe die B-Lizenz gemacht und deswegen hatte ich bereits länger die Überlegungen als Trainer oder eben Spielertrainer einzusteigen. Ich sehe Wiesentheid, so wie ich es bisher kennengelernt habe, als tolle erste Station für mich. Das Umfeld dort ist sehr gut, die Leute im Verein wollen etwas erreichen und auch von den Spielern her ist eine gute Qualität vorhanden.
 
fanreport.com: Was hast du dir konkret in Wiesentheid vorgenommen?
Reitmaier: Zusammen mit den Jungs möchte ich dieses Jahr eine bessere Saison hinlegen als die letzte. Es ist wichtig, dass wir uns weiterentwickeln und dass wir attraktiven Offensivfußball spielen. Ich möchte nun die Mannschaft Training für Training besser machen, das ist mein Ziel. 
 
fanreport.com: Du hast in einem vorherigen Gespräch schon verlauten lassen, dass du auch selber wieder spielen möchtest. Wie stellst du dir die Doppelaufgabe vor?
Reitmaier: Ich denke, dass ich der Mannschaft  mit meiner langjährigen Erfahrung  weiterhelfen kann. Sicherlich wird es als Spielertrainer eine ganz besondere Herausforderung sein. Ich freue mich auf die spannende Aufgabe. 

"Den Karriereverlauf kann man nicht planen!"
 
fanreport.com: Du hast bereits deine B-Lizenz angesprochen, wie lief der Lehrgang für dich?
Reitmaier: Ich habe vor fünf  Wochen die B-Lizenz in Frankfurt absolviert und hatte wahnsinnigen Spaß dabei. Aus diesem Grund, habe ich auch vor, in der Zukunft die A-Lizenz zu machen. Ob es schon nächstes Jahr oder erst im übernächsten Jahr klappt, dass ist noch nicht bekannt. 
 
fanreport.com: Hast du bekannte Ex-Profis getroffen?
Reitmaier: Ja, bei mir war Michael Ballack dabei und unteranderem aus dem Bundesliga Bereich noch Heiko Butscher, Mirko Casper oder Benjamin Lense. Mit den genannten Trainerkollegen, war ich dann in einer Arbeitsgruppe und da bekommt man natürlich ganz viele Insider Informationen mit. Mich freut es zudem, dass wir auch nach dem Lehrgang  jetzt weiter in Kontakt bleiben und uns weiterhin austauschen.
 
fanreport.com: Was möchtest du als Trainer noch alles erreichen?
Reitmaier: Als Spieler war es immer so, dass ich den Anspruch an mich selber hatte immer im höheren Amateurbereich zu spielen. Im Trainerbereich ist es so, dass ich erst einmal Fuß fassen möchte. Die Priorität liegt ganz klar darin, dass wir in Wiesentheid erfolgreich sind und unsere Ziele erreiche. Man kann einen Verlauf der Karriere nicht planen, dass hängt von zu vielen Faktoren ab.
 
fanreport.com: Welchen Job hast du neben dem Fußball?
Reitmaier: Ich bin Bankkaufmann und seit 2 Jahren Betreuer für Genossenschaftsbanken im Bereich der Allianz. Zudem habe ich Betriebswirtschaftslehre an der FH studiert.
 
fanreport.com: Du bist Rothose durch und durch, wie bewertest du die aktuelle Lage bei den Kickers?
Reitmaier: Nach dem Doppelaufstieg war es wichtig die Klasse zuhalten, jetzt wird es natürlich wichtig sein, sich zu etablieren. Das zweite Jahr ist bekanntlich immer das schwierigste Jahr, aber das Umfeld ist auf alle Fälle toll in Würzburg. Ich drücke den Kickers weiterhin die Daumen und hoffe das es sportlich weiter so erfolgreich läuft. 
 
 fanreport.com: Mal ein anderes Thema, FSG Wiesentheid hat sogar ihre eigenen Hymne. Hast du diese schon einmal gehört und wie gefällt sie dir?
Reitmaier: Ja, ich habe sie mir auf der Homepage schon einmal angehört. Aber ins Detail kann ich da noch nicht gehen, so genau kenne ich sie dann auch wieder nicht (lacht). Ich finde gut, dass der Verein so etwas auf die Beine stellt, es zeigt auch ganz klar, dass das Engagement  im Verein einfach vorhanden ist.
Wir haben damals in Schweinfurt, zu der Bayernliga Zeit, ein eigenes Vereinslied gesungen (zusammen mit Confect - „Schweinfurt du bist spitze“; Anm. d. Red.). Damals waren wir mit der Mannschaft sogar im Tonstudio und haben es aufgenommen, das war auch ganz schön witzig. Wir waren ähnlich talentiert wie die deutsche Nationalmannschaft mit ihren Singversuchen vor vielen Jahren. 
 
fanreport.com: Du hattest auch Karten für das diesjährige Champions League Finale, schlägt dein Herz für den FC Bayern?
Reitmaier: Gerade im Bereich der internationalen Spiele bin ich immer für die deutschen Mannschaften, deshalb war ich im Finale ziemlich neutral. Ich war auch schon in der vergangenen Saison zusammen mit dem FC Bayern beim Halbfinal-Rückspiel in Madrid, oder bei Manchester United, aber ich bin eher ein Fußballfan, der eben für die deutschen Teams ist. 
Das Finale in Wembley war natürlich ein unglaubliches Erlebnis, Wahnsinn! Ich saß in Reihe 8 hinter dem Tor, worauf auch das Siegtor von Arjen Robben kurz vor Schluss gefallen ist. Man konnte wirklich meinen, dass man auf dem Sportplatz ist, wo du den Ball noch erwischen kannst. „Mittendrin statt nur dabei“ kann man da nicht besser anwenden. Dieses Erlebnis kann nur noch von einem WM-Finale mit deutscher Beteiligung getoppt werden.
 
fanreport.com: Vielen Dank dafür, dass du dir die Zeit genommen hast mir Rede und Antwort zu stehen. 
Reitmaier: Gerne! 
 

Quelle: Dennis Dudek - Redakteur www.fanreport.com